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06.07.2021 | Nachhaltigkeit beim Bauen: die Strategie der Ingérop-Gruppe

Barbara Schärfl im Interview

Warum stellt Ingérop das nachhaltige Bauen ins Zentrum seiner Unternehmensstrategie?

Der Bausektor produziert 25 % der CO2-Emissionen sowie 55 % des gesamten Müllaufkommens und verbraucht 85 % aller Rohstoffe und Energien. Dieses Einsparpotenzial möchte Ingérop nutzen, um einen Beitrag zum Beenden des Klimawandels, zur Rettung unserer Ökosysteme und damit zur Sicherung unserer Zukunft zu leisten. Darüber hinaus bieten politische Programme, wie der Green Deal der EU, Potenziale für neue Tätigkeitsbereiche: Die Sanierungsrate soll in den nächsten zehn Jahren verdoppelt werden. Das entspricht einer Zahl von 35 Millionen Gebäuden, die EU-weit saniert werden müssen. Das Bundes-Klimaschutzgesetz hat das Ziel, die CO2-Emissionen im Gebäudesektor bis 2030 gegenüber 1990 um 40 % zu senken.

Sind Anforderungen des „klimaneutralen Bauens“ in der Projektarbeit bereits angekommen?

Der Wandel zur ressourcenschonenden und nachhaltigen Bauweise ist da. Wir merken, dass die ausgeschriebenen Projekte immer häufiger auf eine klimaneutrale Ausführung bei Entwicklung, Baumaterialien und Betrieb setzen. Themen wie End–of–Life Betrachtungen, Bewertung grauer Energie in Gebäuden, klimafreundliche Baustoffe, recyclingfähige Materialien und Bauweisen, klimaoptimierte Bauabläufe, geschlossene Ressourcen-Kreisläufe, veränderte Arbeitsabläufe und Kostenkennwerte sind daher bereits Grundlage unserer Bauprojekte geworden.

Gibt es neben der CO2-Reduktion weitere Möglichkeiten, klimaneutral zu bauen?

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft ist ein weiterer Baustein der Nachhaltigkeit. Rohstoffe sind endlich. Durch die Wiederverwendung von bereits verarbeiteten Stoffen sollen für die kommenden Generationen Ressourcen gesichert werden, die sonst entsorgt werden. Baustoffe wie Kies, Sand und Schotter sind bereits so weit abgebaut, dass sie aus dem Ausland eingeführt werden müssen. Das treibt sowohl die Preise als auch die CO2-Emissionen nach oben.

Die EU-Vorgabe, dass sich die Menge der deponierten Siedlungsabfälle auf unter 10 % verringern muss, unterstützt eine Kreislaufwirtschaft. Wir müssen demnach in Zukunft so bauen, dass wir Baustoffe trennen und recyclen können. Für Abbruchunternehmen und Baufirmen muss die Möglichkeit geschaffen werden, die wiedergewonnenen Materialien auf digitalen Plattformen zur Verfügung zu stellen.

Inwieweit wirkt sich der Wandel beim Bauen zu nachhaltigen Methoden auf die Leistungsbilder aus?

Ein großer Leistungsbereich ist die Beratung unserer Auftraggeber. Der Markt mit neuen Bauprodukten und Bauverfahren entwickelt sich sehr schnell. Es müssen Erfahrungen damit gemacht und gesammelt werden, weswegen wir den Aufbau einer guten Vernetzung sowohl innerhalb als auch außerhalb von Ingérop fördern. Außerdem unterstützen wir bei der Entwicklung neuer Standards, bewerten CO2-Bilanzierungen von Sanierung/Umnutzung vs. Neubau, erstellen Lebenszyklus-Analysen, berechnen Lebenszyklus-Kosten und stellen als Auditoren Gebäudezertifikate aus.

Wie macht sich die Transformation im Arbeitsalltag bemerkbar?

Nachhaltigkeit, bestehend aus den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales, ist ein konzernweiter, funktionsübergreifender Umweltqualitätsansatz. Deshalb verändert sich auch unsere tägliche Arbeit: Wir reduzieren den Energie- und Büromaterialverbrauch, fördern den Umstieg auf regenerative Energien und auf die Nutzung des öffentlichen Verkehrs.

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